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Artikel vom 15.01.2018

Schottische Hochlandrinder weiden friedlich als vierbeinige Landschaftspfleger im Hufer Bachtal

Heike und Alois Wittlich erfreuen sich an den Tieren und dem offenen Bachtal


Stolze Besitzer der Herde Schottischer Hochlandrinder sind Heike und Alois Wittlich. Im Winter wird Heu beigefüttert. Foto: Rolf Schmidt-Markoski

Luchert. Zottelpony und imposant geschwungene weit ausgreifende Hörner sind die Merkmale der Schottischen Hochlandrinder, die dem Wanderer auf dem Westerwaldsteig im Hufer Bachtal (zwischen Horhausen und Niedersteinebach) begegnen. Bulle "Bruno" und seine sechs Kühe sowie sechs Kälber gehören zur Zeit zu der Herde Schottischer Hochlandrinder, die im Rahmen der Renaturierung des Hufer Bachtales seit 2015 als vierbeinige Landschaftspfleger dafür sorgen, dass das Bachtal auch offen bleibt. Die aus dem Nordwesten von Schottland stammende Rinderrasse frisst nahezu alles und kann auch wegen ihres geringen Gewichts auf empfindlichen Böden gehalten werden. Stolze Besitzer der Herde sind Heike und Alois Wittlich (Luchert). "Fast ein ganzes Jahr haben wir nach einer geeigneten Rasse gesucht und uns dann schließlich für das Schottische Hochlandrind entschieden", so Heike u. Alois Wittlich im Gespräch mit unserer Zeitung.

Gutmütig, robust und langlebig

Das Hochlandrind gilt als gutmütig, robust und langlebig (bis zu 20 Jahre). Härte, Anspruchslosigkeit und stark ausgeprägte Mutterinstinkte, die die Kühe absolut selbständig im Freien gebären und ihr Kalb bis zu einem Jahr ausreichend ernähren lassen, zählen zu den positiven Eigenschaften dieser Rinderrasse. Aber auch das feinfaserige, zarte Fleisch wird nicht nur von Gourmets geschätzt. "Wir haben eine enge Beziehung zu den Tieren und erfreuen uns an der Herde und dem offenen Bachtal, ähnlich wie die Wanderer auf dem Westerwaldsteig", so Heike Wittlich, die selbst auch Pferde züchtet. Im Winter wird Heu zugefüttert. "Profit machen können wir allerdings mit der Herde nicht, weil sie dafür viel zu klein ist und wir auf der von der Ortsgemeinde Horhausen angepachteten Fläche, einschließlich eigener Weideflächen, lediglich bis zu 10 Tiere halten können", bekräftigt der sich zwischenzeitlich im Rentnerstand befindliche Diplom-Ingenieur und Landwirt aus Leidenschaft. Zweimal täglich schaut Alois Wittlich nach seinen Schützlingen, die sich offensichtlich auch im Westerwald sehr wohl fühlen.

Früher dunkles Tal mit Fichten bestockt

Das Hufer Bachtal präsentierte sich bis zur Renaturierung in den Jahren 2012 und 2013 als dunkles, weiträumig mit Fichten bestocktes, nicht einsehbares Tal mit dem Hufer Bach, ein unscheinbarer Bachlauf, der, rund zwei Meter tief eingegraben, kaum wahrgenommen werden konnte. Der Hufer Bach hat eine Gesamtlänge von rund zwei Kilometer. Von der Quelle (westlich von Horhausen) bis zur Mündung in den Lahrbach (nordwestlich von Niedersteinebach) überwindet das Kerbtalgewässer eine Höhendifferenz von 95 Metern. Im Einzugsbereich befinden sich die Ortschaften Horhausen, Huf, Luchert und Niedersteinebach.

Mit der Herausnahme der Fichten im Rahmen der Renaturierung konnte eine offene Auenstruktur geschaffen werden. Träger der Maßnahme waren die Ortsgemeinde Horhausen, die Verbandsgemeinde Flammersfeld und die Aktion Blau Plus Rheinland-Pfalz.

Projekt mit Vorbildcharakter

Heute vermittelt sich dem Betrachter ein freundliches Bild des Hufer Bachtals. Einzelne Gehölzgruppen entlang des neu angelegten Bachlaufs strukturieren die Landschaft. Der Hufer Bach fließt heute wieder oberflächennah mit einer vielfältig strukturierten Sohle, sichtbar und erlebbar von dem vorbeiführenden Westerwaldsteig. Mit dieser Verbesserung der Sohlstrukturen haben auch die Kleinstlebewesen in der Gewässersohle wieder einen passenden Lebensraum. Auch an den Stellen der Wegekreuzungen mit dem Hufer Bach bleibt die neue Bachsohle bestehen. Keine Rohre mehr, keine Abstürze mehr und ein offener Blick in den Bachlauf nach oben und nach unten. Die Renaturierungsmaßnahme einschlich der Beweidung gilt als ein Projekt mit Vorbildcharakter. (rsm)