Geschichte

Die Vergangenheit des Ortes

Trotz seiner geringen Größe blickt Horhausen auf eine bewegte Geschichte zurück, einer sehr bewegten Geschichte ... so bewegt, daß man es kaum glauben mag.

Das Wappen

Ein Hinweis auf den Fleiß und die Schaffenskraft der Horhausener ist schon aus dem Wappen der Gemeinde zu entnehmen. Neben dem kurtrierischen Kreuz zeigt es nämlich auch eine goldene Grubenlampe vor zwei silbernen Balken auf rotem Grund. Beide Zeichen führen zurück in die Vergangenheit der Gemeinde im rheinischen Westerwald.


"Horhusin" heißt sie in einer Urkunde des Jahres 1217. Die Urkunde ist trierischer Herkunft. Mindestens von diesem Zeitpunkt an gehörte Horhausen nämlich zum Amt Herschbach und damit zu Trier. Ein Intermezzo gab es lediglich zwischen 1338 und 1864, als Horhausen trierisches Lehen der Grafen von Isenburg-Grenzau war. Als der letzte Graf verstarb, kam Horhausen wieder in kurfürstlichen Besitz. Daran änderte auch ein langwieriger Prozeß nichts, den der Fürst zu Wied als Verwandter der Isenburger um die Herrschaft Horhausen vor dem Reichskammergericht führte.
Die Säkularisation 1803, ein Vorgang von umwälzender Bedeutung, dessen Auswirkungen noch heute an ihren Erfinder Napoleon erinnern, machte vor Horhausen natürlich nicht Halt.Die Herrschaft kam an Nassau-Weilburg, doch es blieb kaum Zeit zum Eingewöhnen, denn schon 1815 war Preußen der Herr im Haus.Als 1816 die preußische Rheinprovinz mit ihren Kreisen und Bürgermeistereien auf unterster Ebene entstand, kam Horhausen zur Bürgermeisterei Flammersfeld im Kreis Altenkirchen (Verbandsgemeinde Flammersfeld)

Neun Feuerstellen

Sicher ist Horhausen ebenso entstanden, wie viele ältere Siedlungen des Westerwaldes auch - nämlich aus einer kleinen Siedlung heraus, deren Entwicklung zunächst wohl eher als Stillstand angesehen werden könnte.
Im Laufe der Jahrhunderte wuchs Horhausen dann doch und mauserte sich zum Mittelpunkt eines Kirchspiels.
Die aufstrebende Tendenz läßt sich im Verlauf dreier Jahrhunderte mit Zahlen belegen.
1685 genügten sich noch ganze neun Feuerstellen, die Horhausener zu wärmen. Der 30jährige Krieg hatte kurz vorher die Bevölkerung drastisch reduziert.
Hundert Jahre später wohnten in Horhausen 148 Menschen, 1853 hatte sich ihre Zahl exakt verdoppelt und nach dem Ersten Weltkrieg zählte man 522 Einwohner. Schon 60 Jahre später waren es 1341; es gab mehr Haushalte als nach dem Ersten Weltkrieg Einwohner in Horhausen.
Kirchspiel war Horhausen allerdings schon, als es sich noch wesentlich bescheidener ausnahm. Da zu einem Kirchspiel auch eine Kirche gehört, läßt sich dies leicht belegen: Vermutlich sind Kirchspiel und Kirche Kinder des frühen 14.Jahrhunderts.
Der romanische Turm der alten Kirche steht heute noch - wahrscheinlich war er ursprünglich auch für Verteidigungszwecke geeignet. Zu Beginn unseres Jahrhunderts wurde das alte Gotteshaus durch einen Neubau ersetzt. Im 17.Jahrhundert gab es in der Pfarrei außer der Pfarrkirche auch noch eine kleine Kapelle und eine Einsiedelei. Beide Gebäude errichtete der Einsiedler Konrad Humberg auf einem Hang oberhalb von Niedersteinebach .

Die Schulhäuser

Die früher enge Verflechtung von schulischer Unterweisung und Kirche wird auch in Horhausen sichtbar. Ein Lehrer wird bereits gegen Ende des 17.Jahrhunderts erwähnt, doch die schulischen Verhältnisse dieser Zeit liegen im Dunkeln.
1734 forderte das zuständige Offizialat zu Koblenz, in Horhausen ein Schul- und Wohnhaus zu bauen. Die Auswirkungen dieses Ansinnens sind nicht überliefert, doch soll früher neben der Kirche eine Schule gestanden haben. 1838 jedoch wurde ein Gebäude mit zwei Schulräumen gebaut, dem aber ein schnelles Ende drohte. Schon nach zehn Jahren war das Betreten des Schulhauses lebensgefährlich, weil der Bau einzustürzen drohte.
Für eine neue Schule fehlten die Mittel. Immer wieder mußte die baufällige Schule "auf Vordermann" gebracht werden; in ihren beiden Räumen wurden 1860 nicht weniger als 272 Kinder von zwei Lehrern unterrichtet.
Die pädagogische Konzeption dieser Tage wird ersichtlich aus der Tatsache, daß die königliche Regierung in Koblenz 1866 grünes Licht für den Bau einer neuen Schule gab - es war wieder eine zweiklassige, obwohl vier Klassen erforderlich gewesen wären.
1867 war das Haus fertig, doch es erleichterte den Kindern aus den Orten des Kirchspiels nicht den besonders im Winter beschwerlichen Schulweg, der oft genug auch noch zweimal täglich unter die Sohlen genommen werden mußte, weil außer Mittwochs und samstags auch nachmittags unterrichtet wurde. Die Lage änderte sich erst in diesem Jahrhundert, anfangs der sechziger Jahre mit der neuen Schulkonzeption. Horhausen bot sich als zentraler Ort an und 1969 wurde ein Neubau seiner Bestimmung übergeben, der Grundschule und Hauptschule beherrbergen konnte. Nach Auflösung der Grundschulen in Willroth und Epgert besuchen nun wieder alle Kinder des Kirchspiels die Grundschule in Horhausen. Die Hauptschule diente allen Hauptschülern der Verbandsgemeinde Flammersfeld.
Im Jahre 1995 öffnete eine neue zweizügige Grundschule mit acht Klassen ihre Tore, die von 212 Kindern besucht wurde. Die Hauptschule wurde ab 1.August 1996 in eine vierzügige Integrierte Gesamtschule (IGS) umgewandelt, die sich in der Trägerschaft des Landkreises Altenkirchen befindet. 1999 zählte die IGS insgesamt 481SchülerInnen, die von 38 Pädagogen unterrichtet werden. Die Kinder können an der IGS je nach Leistungen einen Hauptschulabschluß, den Realschulabschuß oder die Berechtigungzum Übergang in die Klasse 11 der gymnasialen Oberstufe erhalten.
Die nicht schulpflichtigen Kinder finden Platz im Kindergarten, den die katholische Kirchengemeinde Horhausen 1973 mit einer Kapazität von 100 Plätzen errichtete. Der Kindergarten wurde erweitert und hat nun Platz für 125 Kinder.

Arme Bergleute, Ackerbauern und Tagelöhner

Früher waren die Menschen im Horhausener Raum arme Bergleute, Ackerbauern und Tagelöhner. Der eine oder andere Gewerbetreibende mag sich zu ihnen gesellt haben, doch die Kombination von Bergmann und Bauer war durchaus üblich.
Das Horhausener Land war übersät von Gruben. Man "bergte" also und bestellte gleichzeitig das Feld. Nicht umsonst wird die Ziege bisweilen "Bergmannskuh" genannt.
In früher Zeit interessierten besonders die Buntmetalle, später wandte sich die Aufmerksamkeit der Bergleute dem Eisenerz zu.
Die Horhausener Vorkommen gehören zu den Ausläufern des Siegerländer Eisenspatgebietes. Der Eisenerzabbau florierte besonders im vergangenen Jahrhundert.
Über Jahrhunderte hinweg änderte sich nicht viel an der Art, wie die Horhausener ihr Brot verdienten. Mit der Industrialisierung begannen sich jedoch die Lebensumstände tiefgreifend zu ändern. Die Menschen wurden mobiler, was auch erforderlich war, weil der heimische Bergbau unausweichlich seinem Ende entgegenging. Die Horhausener suchten sich in der näheren Umgebung, aber auch in den Industrieorten des Rheintals neue Erwerbsquellen.
Nach dem Krieg und vor allem nach der Währungsreform gelang es, auch in Horhausen selbst und in der näheren Umgebung eine beträchtliche Zahl neuer Arbeitsplätze zu schaffen und damit viele Menschen an die Heimat zu binden. Zu den Pionieren der Neuansiedlung in Horhausen gehörten die Hutfabrik Meissner und Eckrath und die Westerwälder Bekleidungsfabrik Webefa, die zuletzt in Güllesheim produzierte.

Das Mistbeet des Bistums Trier

Zum Kirchspiel gehören außer dem zentralen Ort noch die Dörfer Bürdenbach, Grube Louise, Güllesheim, Krunkel, Huf, Luchert, Niedersteinebach, Pleckhausen und Willroth. Filialkirchen gibt es in Krunkel und Willroth; eine Kapelle in Güllesheim wird ihrem Ursprung auf eine Pestepidemie während des 30jährigen Krieges zurückgeführt. Das Kirchspiel Horhausen führt den ehrenden Beinamen "Mistbeet des Bistums Trier", weil aus ihm zahlreiche Geistliche und Ordensleute stammen. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts war es vor allem Kaplan Georg Friedrich Dasbach, der weit über die Grenzen des Bistums Trier hinaus bekannt wurde. Der Kirchenmann aus Horhausen wirkte erfolgreich als Publizist, Sozialreformer und Politiker. Als letzterer war er viele Jahre Abgeordneter des Preußischen Landtags und zehn Jahre Abgeordneter des Deutschen Reichstags.
Der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höffner stammt ebenfalls aus Horhausen. Auch sein Wirken ist vom Ringen um Lösungen im Bereich sozialer Fragen gekennzeichnet. Im Herbst 1976 wurde er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.
Eine weitere bedeutende Persönlichkeit der Kirche machte Horhausen insbesondere in Norwegen bekannt. Johann Rüth war Bischof von Mittelnorwegen, baute in der fünfziger Jahren die Administratur in Drontheim auf und leitete diese 20 Jahre lang.
Neben diesen Horhausenern wirkten noch ein Dutzend Männer und Frauen als Priester und Missionare und rund dreißig Frauen als Ordensschwestern in Deutschland und sogar in anderen Erdteilen.