Bischof Johannes Rüth

(* 8. September 1899 in Horhausen, † 17. Februar 1978)

Geboren wurde er 1899 in Horhausen. 1924 erhielt er die Priesterweihe in Simpelveld und 1959 die Bischofsweihe in Trondheim (Norwegen). Dort wirkte er bis 1974. Als 78jähriger starb Johannes Rüth.

Als Bettler für die Sache Gottes viele Predigtreisen übernommen

Pater Gabriel von den Arnsteiner Patres, denen der Horhausener Johannes Rüth ebenfalls angehörte, sprach in Horhausen vor zahlreichen Senioren im Kaplan-Dasbach-Heim über Leben und Lebenswerk des ehemaligen Bischofs von Trondheim.

Heinrich (so der Taufname des späteren Paters und Bischofs) wurde am 8. September 1899 in Horhausen geboren als ältestes von 8 Kindern. Außer ihm wurde noch ein zweiter Sohn Priester und eine Tochter wurde Ordensschwester. Heinrich besuchte die Volksschule in Horhausen. Mit 14 Jahren kam er zur Missionsschule Damianeum in Simpelveld (Niederlande). Ein Jahr später brach der Weltkrieg aus. Gegen Ende des Krieges wird er noch für kurze Zeit Soldat. Im September 1919 begann er mit 14 anderen aus dem Krieg heimgekehrten Soldaten in Arnstein das Noviziat und legte am 25. Sept. 1920 die Ordensgelübte ab, in der Genossenschaft der Heiligsten Herzen Jesu und Mariens, in Deutschland unter dem Namen "Arnsteiner Patres" bekannt. Es folgten 2 Jahre philosophische Studien, ebenfalls in Arnstein und vier Jahre theologische Studien in Simpelveld. Dort empfing er am 6. Juli 1924 die Priesterweihe.

Nach Abschluss seiner Studien blieb Pater Johannes in Simpelveld, war Lektor in Kirchengeschichte und Mitarbeiter an der Monatsschrift "Apostel der Heiligsten Herzen", für die er schon 1922 einige Artikel über die Kirche in Norwegen geschrieben hatte. Er schrieb nun regelmäßig Beiträge über die Verehrung des Hl. Josefs und brachte durch diese Artikel und eine ausgedehnte Korrespondenz den Josefsverein zu hoher Blüte. Als in Simpelveld ein Brüderjuvenat errichtet, wurde ihm dessen Leitung übertragen. Der junge Priester war gerne in der unmittelbaren Seelsorge tätig. Samstags und sonntags leistete er Aushilfedienste in den Pfarreien des Aachener Raums.

Von kleiner Statur

Eine kleine Anekdote aus diesen ersten Jahren hat er selber gelegentlich zum Besten gegeben, in Anspielung auf seine kleine Statur und sein noch sehr jugendliches Alter: In Merkstein bei Aachen, wo er seine erste Predigt hielt, kam ein Junge nach der Predigt heim und berichtete seiner Mutter: " Denk Dir, Mama, heut' hat ein Messdiener die Predigt gehalten!"

Bald wurde er auch bei großen Volksmissionen hinzugezogen und entwickelte sich in der Gruppe der Volksmissionare zu einem gern gehörten Prediger.

Im November 1931 wurde P. Johannes zum Rektor des Schülerheimes in Herzogenrath ernannt. Herzogenrath liegt nahe bei Simpelveld und so behielt er vorerst die Vorlesungen in Simpelveld bei, bis er 1933 nach Aachen versetzt wurde. In Aachen übernahm er die Schriftleitung des "Apostel der Hl. Herzen", allerdings nur für kurze Zeit, weil die damaligen Machthaber den " Apostel" bald verboten. Auch ein anderer ganz neuer Auftrag, den er 1935 erhielt, die Leitung der Pilgerfährten nach Amstein, dauerte nur kurze Zeit. Im Jahre 193 8 wurden die Pilgerfahrten untersagt. Im dritten Reich hatten solche Kundgebungen kein Existenzrecht mehr.

Nun widmete sich P. Johannes, der 1938 nach Herzogenrath zurückgekehrt war, ganz der unmittelbaren Seelsorge. Um das Schülerheim, das Klösterchen, bildete sich allmählich eine kleine Gemeinde. Am 14 Oktober 1942 wurde aus den Ortsteilen Ritzerfeld, Bierstraße, Thsergarten, Noppenberg der Seelsorgsbezirk Herz - Jesu eingerichtet und P. Johannes zu dessen ersten Rektor bestellt. Gerne erinnert sich der Bischof später an diese Herzogenrather Zeit. Es waren keine leichten Jahre, die Kriegs- und Nachkriegszeit, die hartgeprüften Menschen waren aufnahmehungerig für den Trost des Glaubens. Predigten waren klar, gut überlegt, lebendig und lebensnahe Pater Johannes wurde der kleinen Gemeinde ein guter Hirte. Er predigte gerne. Seine Predigten waren immer klar, gut überlegt, lebendig und lebensnahe, seine Zuhörer wussten sich unmittelbar angesprochen, in ihrer Situation verstanden und in seine Gedankengänge hinein genommen. Auch seine Kinderpredigten hörte man immer gerne, nicht nur die Kinder, auch gerade die Erwachsenen. Zurückblickend auf diese Zeit gesteht er, dass der Unterricht bei den Kindern in der Volksschule zu seinen schönsten Erinnerungen gehört. Als sich nach dem Krieg die Verhältnisse allmählich ordneten, übernahm P. Johannes wieder die Schriftleitung des Apostels und im Sommer 1950 die Leitung der Pilgerfahrten nach Arnstein.

Pater Johannes hatte bisher die ihm gestellten Aufgaben stets mit großer Einsatzbereitschaft angenommen und der mit ihm eigenen Zähigkeit, Umsicht und Gründlichkeit ausgeführt, auch wenn sie ihm Neues und Ungewohntes abverlangten. So konnten seine Oberen wagen, ihm, als er die Mitte seines Lebens schon überschritten hatte, noch einmal ein ganz neues Arbeitsfeld zuzuweisen.

Der zweite große Lebensabschnitt begann mit 53 Jahren

Er wurde 1952 in die der deutschen Ordensprovinz anvertrauten Präfektur Mittelnorwegen versetzt, deren Leitung er nach einer Zeit des Sicheinlebens übernehmen sollte. Damit begann für den 53 jährigen der zweite große Abschnitt seines Lebens. Sprache, Land und Volk waren ihm fremd, auch die Lebensverhältnisse und Seelsorgsaufgaben. die nun auf ihn zukamen, waren so ganz anders als das, was er bisher gewohnt war. Würde es ihm noch einmal gelingen sich einzuleben und einzuarbeiten in das ganz Neue, das ihm im hohen Norden erwartete? Dass es ihm gelang, sollten die 21 Jahre zeigen, die er in der nordischen Diaspora verbrachte. Im Februar 1953 wurde die Apostolische Präfektur Mittelnorwegen zum Apostolischen Vikariat erhoben und am 4. Februar 1953 wurde Pater Johannes zum ersten Apostolischen Vikar ernannt. Am 12. April 1953 erhielt er in der kleinen St. Olavskirche zu Trondheim die Bischofsweihe. Der neue Bischof richtete seine Aufmerksamkeit zunächst auf die bereits bestehenden Stationen und sucht sie weiter auszubauen.

9. September 1973 - ein großer Tag im Leben des Bischofs

Es gereicht dem Bischof zur Ehre, dass er den Neubau von Kirche und Bischofshaus in Trondheim, die mehr als bescheiden und in schlechtem baulichen Zustand waren, immer wieder zu Gunsten dringender Bedürfnisse anderer Stationen zurückgestellt hatte. Aber nun war es Zeit geworden, auch an Trondheim zu denken. Es war ein großer Tag im Leben des Vikariates und im Leben des Bischofs, der 9. Sept. 1973 die Kirchweih der neuen St. Olavskirche. Die nordische Bischofskonferenz hatte in den vorhergehenden Tagen ihre Sitzungen in Trondheim abgehalten und so gab die Anwesenheit aller Bischöfe des Nordens dem Tag einen besonderen Glanz. Die Bischöfe von Dänemark, Oslo, Nordnorwegen, Schweden, Finnland und Island waren anwesend. Der Tag war eigentlich ein Doppelfest, man feierte zugleich das hundertjährige Bestehen der katholischen Gemeinde Trondheim. Der ganzen Aufbauarbeit des Bischofs lag eine klare Konzeption zugrunde. Er wollte in den fünf größeren Städten Mittelnorwegens die katholische Kirche präsent machen, ihnen festgegründete Gemeindezentren geben, die eine intensive Ausstrahlung ermöglichen, eine würdige Kirche, ein Pfarrhaus, einen Gemeindesaal und ein Schwesternhaus, mit einem sozialem Werk. Als Bettler für die Sache Gottes Oft hat man dem Bischof die Frage gestellt, ob sich so ein großer Aufwand lohne, angesichts der wenigen 500 - 600 Katholiken in einem Distrikt von 500 000 Einwohnern. Die Antwort lautete: der Einsatz lohnt sich immer. Jeder katholische Christ hat das Recht, dem entspricht eine Pflicht der Kirche, die Gnadenmittel und Dienste seiner Kirche zu empfangen. Bischof Ruth fand bei seinem Aufbauwerk viele Helfer. Da waren vor allem seine Mitbrüder, die ihm, jeder nach seiner Art und besonderen Begabung, zur Seite standen und die Verantwortung mittrugen und ihn da ergänzten, wo auch er, wie jeder Mensch seine Grenzen hatte. kamen, verdienen höchstes Lob.

Entscheidende Hilfe suchte und fand der Bischof bei den deutschen Katholiken. Als Bettler für die Sache Gottes hat er in vielen Predigtreisen unermüdlich für die Diaspora- Kirche um Verständnis und Hilfe geworben. Die ungeheuchelte Einfachheit, ja Armut seines Auftretens machte überall tiefen Eindruck bei seinen bischöflichen Mitbrüdern, bei den Priestern und Gläubigen, zu denen er kam und sprach. Manche Gläubigen, die ihn in Trondheim in seiner wirklich armen Bischofswohnung besuchten, gingen als seine ständigen Freunde und Helfer von ihm weg.

Bischof Rüth hatte schon mehrmals die Absicht geäußert, nach der Einweihung der St. Olavskirche sein Amt in jüngere Hände zu legen. So unterbreitete er dem Hl. Vater sein Rücktrittsgesuch. Im April 1974 entsprach der Hl. Vater seiner Bitte.

Am 9. Juni 1974 nahm der Bischof Abschied vom Vikariat. Sein Nachfolger sagte ihm: "Ich komme hier in ein fertiges Nest". In diesen wenigen Worten ist Großes gesagt. Der Bischof konnte mit Dankbarkeit und Genugtun auf ein abgerundetes Lebenswerk zurückschauen. Als seine Abdankung näher ruckte, hatte der Bischof gelegentlich halb seufzend, halb resigniert lachend gesagt: "Ja, so ein alter abgedankter Bischof ist wie ein altes unbequemes Möbelstück, man weiß nicht recht, wo man es hinstellen soll".

Als er nun nach Deutschland zurückkam, sorgten sich viele um ihn, seine Ordensgemeinschaft, seine Verwandten, auch sein Landsmann, der Erzbischof von Köln, Kardinal Höffner. Dieser bot ihm eine Wohnung im Priesterseminar in Köln an. Dankbar nahm der Bischof das Angebot an.

Am 17. Februar 1978 starb Bischof Rüth

Er war inzwischen ein altersschwacher Mann geworden, seine körperlichen und geistigen Kräfte ließen immer mehr nach. Er lebte still und zurückgezogen im Seminar, betreut von der mütterlichen Obsorge einer Ordensschwester.

Im Mai 1976 siedelte der Bischof ins Provinzialhaus nach Aachen über, wo Pater Stefan Hühmann mit nie versagender Geduld um ihn besorgt war. Als der fortschreitende Verfall seiner Kräfte eine ständige fachkundige Pflege notwendig machte, fand er Ende Januar 1978 im Altenheim zu Effelsberg in der Eifel Aufnahme. Von dort musste er schon wenige Tage später wegen einer Lungenentzündung ins nahe Kreiskrankenhaus zu Mechernich überführt werden. Dort starb er am 17. Februar an einer akuten Herzschwäche.

Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Klosterfriedhof in Simpelveld (Niederlande), dort wo er als 14jähriger Junge in die Missionsschule gekommen war.

Quelle: Katholische Pfarrgemeinde Horhausen

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Bischof Rüth (geboren am 08.09.1899 in Horhausen, verstorben am 17.02.1978) galt als bescheidener Mann mit großen Zielen. Pastor i.R. Paul Menzenbach (Pleckhausen) bezeichnete ihn als „rastlosen Arbeiter in Gottes Weinberg – ein Missionar aus Horhausen“ – oder auch als den „kleinen großen Bischof“.
Repro: Petra Schmidt-Markoski